Marine-Feuerwehr Wilhelmshaven

Einer der Höhepunkte der ersten Tour durch Norddeutschland ließ bis zum Ende der Reise auf sich warten. Denn Bundeswehr-Mühlen arbeiten nicht gerade schnell, wenn es um Presse-Anfragen geht. Und der Anrufer, der Dräger Feuerwehr-Reporter, wollte dazu noch etwas ganz Besonderes: Ein Besuch bei der Feuerwehr des Marinestützpunktkommandos in Wilhelmshaven. Natürlich ist dies ein Leckerbissen, denn normalerweise kommen Reporter hier nicht so ohne Weiteres hinein: „Wir selektieren sehr. Viele Anfragen kommen und sind so abstrus – die lehnen wir von vornherein ab“, erzählt Erich Zoellner später. Der 58-Jährige kennt das Spiel – und die Spielregeln, ist er doch schon seit 1991 Chef der Feuerwehr am größten deutschen Marinestützpunkt. Gemeinsam mit seinem Vertreter, dem Wachabteilungsleiter Andreas Cordes (40) startet der Tag für den Dräger Feuerwehr-Reporter und sein Filmteam um 9 Uhr in Wilhelmshaven in der Feuerwache. Eine kurze Besprechung, was auf dem Gelände zu beachten ist - schließlich handelt es sich um einen militärischen Sicherheitsbereich - und schon kann es losgehen. Bei jeder Einstellung in und an der Wache ist ein Feuerwehrmann dabei – „Sicherheit geht vor“, lautet die Parole. Dennoch: Es gibt keine Geheimnisse, alles vor Ort darf gezeigt werden.


Die Feuerwache des Marinestützpunktes liegt am Rand des großen Geländes. Ein schöner Bau mit blauen Fenstern, Türen und Toren. Ein Siebenspänner mit verglastem Leitstellenbau an der linken Seite. Alles eingeschossig – die Remise ist deutlich höher als das restliche Gebäude, das erst wenige Jahre alt ist. Nebenan, in der Werkstatt, lagern hunderte Feuerlöscher in großen Metallkisten, die Löscher tragen Aufkleber mit dem Hinweis „Bundeswehr“. Nebenan befindet sich eine eigene Anlage zur Entleerung und Neubefüllung der Löscher. Ein großer Raum für die Schlauchpflege ist ebenso vorhanden – sogar mit einer Reinigungsanlage. Alles ist sauber und aufgeräumt. Der etwas in die Jahre gekommene Opel Astra Einsatzleitwagen hat wie alle Fahrzeuge ein markantes Kennzeichen vorn und hinten: Ein Y ziert die Buchstaben- und Zahlenkolonne. Die Fahrzeuge stehen gerade eingeparkt in der Halle, sind dazu beschriftet mit „Feuerwehr Marinestützpunktkommando“. Ein Wappen ziert sie nicht.

Die Feuerwache des Marinestützpunktes von oben

Die Feuerwache des Marinestützpunktes von oben

Die beiden Chefs Zoellner und Cordes sind locker, dennoch bestimmt. Bei der Bundeswehr denkt man wohl automatisch an einen militärischen, fast ruppigen Ton. Diesen gibt es hier nicht: „Wir sind ja auch Bundesbedienstete, wie die Bundespolizei. Wir sind keine Soldaten“, stellt Zoellner klar. Der Leiter der Feuerwehr hat den Neubau der 2003 eröffneten Wache entschieden vorangetrieben, nun wartet sein nächstes Projekt auf den Baubeginn: Eine eigene Atemschutz-Übungsstrecke wird gegenüber der Wache entstehen. „Hier geht es bald los“, verspricht der kernige Feuerwehr-Chef mit seinem rauen Ton und trinkt Kaffee dazu. Cordes bleibt beim Tee, ist eher der ruhige Part – das Team ergänzt sich perfekt. Wenige Absprachen sind nötig: „Wir müssen einfach funktionieren. Das merkt auch die Mannschaft – und das ist gut für sie“, sagt Zoellner. Die ruhige und menschliche Art von Erich Zoellner und seinen Kollegen wirkt sich positiv aus.

Mario Topel (20) alarmiert als Signalbetriebsmaat die Feuerwehr

Mario Topel (20) alarmiert als Signalbetriebsmaat die Feuerwehr

An diesem Tag steht eine Übung an. Schiffsbesatzung und Feuerwehr proben gemeinsam: Ein Feuer auf einem Schiff wird vermutet und alle Einzelheiten werden – wie im Realfall – durchgespielt:

Ein Anruf läuft bei der Leitstelle in der Wache auf. Der Notruf von Obermaat Mario Topel (20) kommt von der Fregatte „Hessen“. Diese liegt an der Graf-Spee-Brücke, der so genannten Kaje F. 70 Mann Besatzung sind an Bord, als das Feuer gemeldet wird. Rauchmelder haben in der Abteilung 10 angeschlagen, es brennt an einem Schaltschrank. Oberbrandmeister Karsten Feigenbutz (32) nimmt den Anruf entgegen. Der Disponent ist schon seit zehn Jahren bei der Marine-Feuerwehr.

Noch während die Feuerwehr ausrückt, kommt die Meldung, ein Kamerad der Marine sei bei einem Löschversuch unter Atemschutz verletzt worden und sei nun vermisst. Der Wachhabende Offizier, Kapitänleutnant Hendrik Wissler (30) schließt sich auf dem Flugdeck der Fregatte mit Andreas Cordes kurz. Sie tauschen alle nötigen Informationen aus.

Die Feuerwehr-Arbeit an Bord muss regelmäßig geübt werden

Die Feuerwehr-Arbeit an Bord muss regelmäßig geübt werden

Gleichzeitig koordinieren weitere Kräfte den gemeinsamen Einsatz im Leitstand. Hier beginnt eine Besonderheit: Der Brandabwehrtrupp der Marine arbeitet bereits auf dem Schiff: „Auf hoher See haben wir ja keine andere Wahl. Daher haben wir alle eine Regelausbildung. Diese ist dem Truppmann bei der Feuerwehr ähnlich“, berichtet Christian Stechemesser (34). Der Korvettenkapitän weiß, wovon er spricht: „Ich habe schon mehrmals Feuer an Bord erlebt. Aber es waren zum Glück nur kleinere Brände." Der Hauptabschnittsleiter ist seit 1994 bei der Marine. Heute begutachtet er die Übung. Er ist zufrieden, wie alle Frauen und Männer das Schiff verlassen: „Wichtig ist, den eigenen Namen von grün auf rot setzen. So ist klar: Der Kamerad ist nicht mehr an Bord, wird also nicht vermisst.“ Dieses ruhige, aber schnelle Verlassen der Fregatte wird täglich einmal geübt, damit im Notfall alles routiniert läuft. Auch bei der heißen Übung mit der Feuerwehr, die deutlich seltener stattfinden (mindestens einmal im Jahr) sind nur noch die Kameraden auf „grün“, die wirklich an Bord sind. Einmal hört man den Ruf: „Stecken! Stecken!“ – einer der Soldaten war ohne sich „umzuschieben“ von Bord gegangen. Alles in allem darf die Räumung des Schiffes nur drei Minuten dauern.

Täglich wird das Verlassen des Schiffes für den Notfall geprobt

Täglich wird das Verlassen des Schiffes für den Notfall geprobt

Im Bauch des Schiffes wird dann alles inszeniert. Eine Nebelmaschine wird eingeschaltet, ein überaus gut geschminkter Soldat liegt am Boden, die schweren Atemschutzflaschen neben ihm. Seine Maske ist beim Sturz vom Gesicht gerissen worden. Als der Bergungstrupp eintrifft, können sie über eine spezielle Tragetechnik mit einem Schlauch den Mann aus dem Maschinenraum retten und ihn an den Sanitätstrupp übergeben. Genau in dieser Sekunde trifft der erste Trupp der Feuerwehr ein – und löscht das imaginäre Feuer.

So kann die neueste Fregatte in Diensten der deutschen Marine nach der Übung wieder aufgeräumt werden. Das 2003 in Emden vom Stapel gelaufene Schiff wurde 2006 in Dienst gestellt. 250 Mann Besatzung (Frauen und Männer) sind auf hoher See an Bord. Im Hafen reduziert sich die „Mannstärke“ deutlich. Selbst wenn sich modernste Sicherheitseinrichtungen an Bord befinden, muss die Feuerwehr des Marinestützpunktkommandos Wilhelmshaven bei einem Feuer schnell vor Ort sein. So sind alle Abschnitte (die übrigens von hinten nach vorne gezählt werden) durch luftdichtverschließbare Schotts unterteilt.

Feuerwehr beim Marinestützpunkt Wilhelmshaven

Feuerwehr beim Marinestützpunkt Wilhelmshaven

Die Menge und Größe der Abschnitte hängt von der Größe des Schiffes ab – bei der Fregatte Hessen gibt es 15 Abteilungen und vier Schiffssicherungsgruppenstände. Für die Löscharbeiten wurden unterhalb der Türen extra feste Rohre eingebaut. An jeder Abschnittstür hängen Schläuche und Kanister mit Schaummittel. Auf der gesamten Fregatte sind etwa 130 Feuerlöscher verteilt. Auch um die Wartung, Prüfung und Neubefüllung der Löscher kümmert sich die Feuerwehr in Wilhelmshaven in den Zeiten, in denen es keine Übungen oder Einsätze gibt. Etwa 100 reale Feuer oder technische Hilfeleistungen müssen die Kollegen der Stützpunktfeuerwehr gemeinsam im Jahr abarbeiten. Dazu kommen – wenn auch sehr selten – Übungen mit dem Dräger Feuerwehr-Reporter, für den dieser Tag ein ganz besonderer war.